Ihr Google-Profil wurde gekapert: fremde Nummer, umgeleitete Anrufe. Was Sie jetzt tun
Erst ruhig atmen: nicht jede Änderung ist böse Absicht
Sie öffnen Ihr Google-Profil und stutzen. Plötzlich steht da eine Telefonnummer, die Sie nicht kennen. Oder eine fremde Website. Oder unter "Inhaber" taucht ein Name auf, der nichts mit Ihnen zu tun hat. Der erste Impuls ist Panik. Der ist verständlich, aber meistens nicht nötig.
Denn in den allermeisten Fällen steckt keine kriminelle Absicht dahinter. Google verschiebt manchmal selbst etwas, wenn es Daten aus anderen Quellen für "besser" hält. Ein alter Mitarbeiter hat vor zwei Jahren noch Zugriff bekommen und nie abgegeben. Die Werbeagentur von damals ist als Verwalter eingetragen und hat routinemäßig eine Nummer geändert. Oder jemand hat über die Funktion "Änderung vorschlagen" eine falsche Angabe gemeldet, und Google hat sie ohne Rückfrage übernommen. All das passiert täglich und ist ärgerlich, aber harmlos.
Trotzdem gibt es die andere Seite. Und die sollten Sie kennen.
Die perfide Masche, die Sie am leiser werdenden Telefon merken
Es gibt eine Masche, die wirklich existiert und die besonders fies ist, weil sie leise bleibt. Jemand verschafft sich Zugriff auf Ihr Profil, oft über die "Änderung vorschlagen"-Funktion oder einen übernommenen Zugang, und tauscht nur eine einzige Sache aus: Ihre Telefonnummer.
Nach außen sieht Ihr Profil normal aus. Ihr Name, Ihre Adresse, Ihre Fotos, alles steht noch. Nur die Nummer gehört jetzt jemand anderem. Kunden suchen Sie, finden Ihr Profil, tippen auf "Anrufen" und landen bei einem Vermittler, der die Anfrage an den Höchstbietenden weiterreicht. Oder an Ihre Konkurrenz. Der Kunde merkt oft nicht einmal, dass er falsch verbunden ist.
Und Sie? Sie merken es monatelang nur an einem: Das Telefon wird leiser. Weniger Anrufe, keine klare Ursache. Sie denken vielleicht, die Nachfrage lässt nach. Dabei werden Ihre Kunden einfach umgeleitet.
Deshalb mein dringender Rat: Ihr Google-Profil ist Ihr digitales Schaufenster. Es gehört Ihnen wie Ihre Ladentür. Und so, wie Sie morgens kurz schauen, ob das Schloss noch hält, sollten Sie auch hier regelmäßig mit fremden Augen draufsehen.
Die vier ruhigen Prüffragen
Bevor Sie irgendetwas tun, verschaffen Sie sich einen Überblick. Nehmen Sie sich zehn Minuten und beantworten Sie diese vier Fragen ehrlich.
Stimmen Nummer, Adresse und Website noch? Rufen Sie Ihre eigene Nummer vom Handy aus an, das Sie nicht im Profil stehen haben. Klingelt Ihr Apparat? Gut. Klingelt nichts oder jemand Fremdes nimmt ab, haben Sie Ihr Problem gefunden. Gleiches bei der Website: Tippen Sie auf den Link. Landen Sie bei sich?
Stehen nur Sie als Inhaber drin? Im Google-Profil gibt es den Bereich für Zugriffsrechte. Dort sehen Sie, wer "Inhaber" ist und wer "Verwalter". Schauen Sie die Liste Zeile für Zeile durch. Kennen Sie jeden Namen und jede Mailadresse?
Haben Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung aktiv? Das ist die zweite Sicherheitsstufe, bei der nach dem Passwort noch ein Code aufs Handy kommt. Klingt technisch, ist aber der wirksamste Schutz, den Sie haben. Ohne diese Stufe reicht ein geklautes Passwort, um alles zu ändern.
Wer hat noch Zugriff aus alten Zeiten? Das ist die Frage, die am häufigsten vergessen wird. Die Agentur, mit der Sie 2021 die Website gemacht haben. Der Neffe, der das Profil mal "schnell eingerichtet" hat. Die frühere Aushilfe. Jeder von denen kann theoretisch noch mitändern. Wer nicht mehr dazugehört, kommt raus.
Das ist dasselbe Grundprinzip wie bei Ihrer Website: Die Zugänge sollten auf Ihren Namen laufen und unter Ihrer Kontrolle sein. Wenn Sie das Thema interessiert, habe ich dazu einen eigenen Artikel geschrieben: Wem gehört Ihre Website eigentlich?
Wenn tatsächlich jemand Fremdes drinsteht: der geordnete Weg zurück
Angenommen, Sie stellen fest: Da ist ein fremder Inhaber, und Sie kommen selbst nicht mehr richtig an Ihr Profil. Jetzt ist das Wichtigste, was Sie NICHT tun sollten.
Legen Sie kein zweites Profil an. Der Reflex ist verständlich: "Dann mache ich mir eben einen neuen Eintrag." Aber damit haben Sie plötzlich zwei Profile für denselben Betrieb. Ihre Bewertungen, Ihre Sichtbarkeit, Ihre Jahre an gepflegten Daten bleiben beim alten. Der neue Eintrag startet bei null. Sie machen die Sache schlimmer, nicht besser.
Der richtige Weg heißt bei Google Zugriffsanfrage. Sie gehen auf Ihr Profil, klicken auf "Sind Sie Inhaber dieses Unternehmens?" und fordern den Zugriff an. Google schickt dann eine Nachricht an den aktuellen Inhaber. Reagiert der nicht innerhalb einer bestimmten Frist, meist einige Tage, können Sie den Zugriff beanspruchen.
Reagiert der fremde Inhaber doch und verweigert, kommt das offizielle Inhaber-Nachweisverfahren. Dabei weisen Sie Google nach, dass der Betrieb wirklich Ihnen gehört. Halten Sie dafür Ihren Gewerbeschein bereit und eine Rechnung, auf der Name und Adresse des Betriebs stehen, etwa die Stromrechnung oder eine Lieferantenrechnung. Google prüft das und gibt Ihnen das Profil zurück, wenn Ihre Nachweise sauber sind.
Das ist kein schneller Vorgang, und es ist nervig. Aber es ist der Weg, der funktioniert und der Ihnen Ihre gesammelte Historie erhält. Hektik hilft hier nicht, Geduld und saubere Unterlagen schon.
Wie Sie das Problem dauerhaft kleinhalten
Wenn Sie Ihr Profil zurückhaben oder es nie verloren haben, sichern Sie es jetzt richtig ab. Drei Dinge genügen.
Erstens: Zwei-Faktor-Anmeldung für das Google-Konto einschalten, mit dem Sie das Profil verwalten. Das ist die halbe Miete.
Zweitens: Die Zugriffsliste aufräumen und einmal im Quartal wieder draufschauen. Nur Menschen, die heute wirklich damit arbeiten, gehören rein.
Drittens: Richten Sie es sich so ein, dass Sie bei Änderungen am Profil benachrichtigt werden. Dann erfahren Sie es sofort, wenn jemand an Ihrer Nummer schraubt, und nicht erst nach drei leisen Monaten.
Mehr zu diesem oft unterschätzten Schaufenster habe ich hier aufgeschrieben: Google Business Profile, das Schaufenster, das die meisten Berliner Betriebe vergessen.
Kurz gesagt
Ein verändertes Profil ist meistens ein Versehen, kein Angriff. Aber die Masche mit der getauschten Nummer ist real und tut weh, gerade weil sie so still ist. Prüfen Sie Ihr Schaufenster regelmäßig mit fremden Augen, sichern Sie die Zugänge, und gehen Sie im Ernstfall den geordneten Weg über die Zugriffsanfrage, statt panisch ein Zweitprofil zu bauen.
Wenn Sie beim Aufräumen Ihrer Online-Auftritte einen zweiten Blick von jemandem wollen, der das täglich mit kleinen Betrieben macht, melden Sie sich gern bei uns. Ganz ohne Druck.