Warum Ihr Google-Profil allein ChatGPT nicht reicht (und was Bing Places damit zu tun hat)
Wo holt sich ChatGPT eigentlich her, dass es Sie kennt?
Immer mehr Leute fragen nicht mehr Google, sondern tippen ihre Frage in ChatGPT. "Wo finde ich eine Kfz-Werkstatt in Pankow, die kurzfristig einen Termin hat?" Oder: "Gutes Kosmetikstudio in der Nähe vom Boxhagener Platz?" Und dann spuckt das Ding eine Antwort aus, mit ein paar Namen, Adressen, manchmal Öffnungszeiten.
Die meisten Inhaber denken dann: Woher weiß die KI das? Zieht die das aus Google?
Nein. Und genau das ist der Punkt, den fast niemand auf dem Schirm hat.
ChatGPT gehört zwar nicht zu Microsoft, aber es arbeitet eng mit Microsoft zusammen. Und wenn ChatGPT etwas Aktuelles oder Lokales braucht, also etwas, das nicht im Trainingswissen steckt, dann sucht es im Hintergrund über die Suchmaschine Bing. Bing ist quasi Microsofts Antwort auf Google. Kennt fast niemand, nutzt kaum jemand zum Suchen, aber sie läuft im Maschinenraum von ChatGPT mit.
Heißt im Klartext: Ihr schönes, gepflegtes Google-Profil ist für die normale Google-Suche super. Für ChatGPT bringt es Ihnen erstmal wenig. Da zählt, was Bing über Sie weiß.
Bing Places, kurz erklärt
Bing Places ist im Grunde dasselbe wie Ihr Google-Eintrag, nur eben bei Bing. Ein kostenloser Eintrag, in dem Ihr Betrieb steht: Name, Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Kategorie, ein paar Fotos.
Wenn Sie Ihr Google Business Profile schon gepflegt haben, kennen Sie das Prinzip. Es ist das gleiche Schaufenster, nur an einer zweiten Straße, an der gerade kaum ein Schaufenster steht.
Und das ist der eigentlich interessante Teil.
Warum gerade das eine Chance ist
Bei Google sind inzwischen fast alle drin. Jeder Friseur, jede Praxis, jede Werkstatt hat sein Profil. Sie kämpfen dort mit hundert anderen um Sichtbarkeit.
Bei Bing ist das Gegenteil der Fall. Die allermeisten kleinen Betriebe haben sich dort nie eingetragen, weil sie dachten: Bing nutzt doch eh keiner. Was früher gestimmt hat. Aber jetzt füttert Bing die KI. Und damit wird ein Eintrag dort plötzlich wieder relevant, ohne dass es die Konkurrenz gemerkt hat.
Ich will hier nichts schönreden. Das ist kein Wundermittel. Sie werden nicht über Nacht mit Anfragen überrannt, nur weil Sie bei Bing stehen. Wie oft jemand in Ihrer Branche tatsächlich ChatGPT fragt und dann bei Ihnen anruft, kann Ihnen ehrlich niemand seriös vorrechnen. Wer Ihnen feste Zahlen verspricht, erfindet sie.
Aber: Der Aufwand ist klein, die Sache kostet nichts, und der mögliche Nutzen ist real und wächst gerade. Das ist genau die Art Hebel, die ich mag. Unaufgeregt, niedriges Risiko, vernünftiges Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Sie müssen das nicht jeden Tag pflegen. Einmal sauber anlegen, fertig.
Das Beste: Sie müssen kaum etwas tippen
Hier kommt der Teil, der die meisten überrascht. Bing weiß, dass die Leute schon einen Google-Eintrag haben. Deshalb gibt es bei Bing Places die Möglichkeit, die Daten direkt aus dem Google-Profil zu übernehmen.
Sie müssen also nicht alles nochmal von Hand abtippen. Adresse, Öffnungszeiten, Kategorie, das zieht sich Bing weitgehend selbst rüber, wenn Sie es freigeben. Sie schauen drüber, korrigieren, was nicht stimmt, und sind fertig.
Für einen normalen kleinen Betrieb sind das realistisch zwanzig Minuten. Einmal. Nicht zwanzig Minuten pro Woche. Zwanzig Minuten, einmal im Leben.
So gehen Sie vor
Damit das nicht abstrakt bleibt, der Ablauf in einfachen Schritten:
- Sie gehen auf die Seite von Bing Places (einfach "Bing Places" suchen, das ist die offizielle Microsoft-Seite).
- Sie melden sich an. Dafür brauchen Sie ein Microsoft-Konto. Falls Sie keins haben, legen Sie eins an, das dauert ein paar Minuten und kostet nichts.
- Sie suchen Ihren Betrieb. Oft ist er schon irgendwo erfasst, dann beanspruchen Sie ihn einfach.
- Sie wählen die Übernahme aus Google. Bing fragt das aktiv an. Damit sparen Sie sich das Tippen.
- Sie prüfen alles in Ruhe. Stimmt die Adresse? Sind die Öffnungszeiten aktuell? Ist die richtige Kategorie gewählt?
- Sie bestätigen, dass Sie der Inhaber sind. Das läuft meist über einen Code, der per Telefon oder Post kommt. Kennt man von Google.
Das war es. Wenn Sie bis hier durchhalten, haben Sie etwas erledigt, das die wenigsten Ihrer Mitbewerber überhaupt kennen.
Worauf Sie achten sollten, damit es wirklich was bringt
Ein Eintrag, der falsch ist, schadet mehr, als er nützt. Drei Dinge zählen wirklich:
Gleiche Angaben überall. Ihr Name, Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer sollten bei Bing exakt so stehen wie bei Google und auf Ihrer Website. Wenn dort einmal "Str." und einmal "Straße" steht, oder eine alte Handynummer, wirkt das auf Maschinen wie zwei verschiedene Betriebe. Einheitlich ist hier wichtiger als hübsch.
Öffnungszeiten aktuell halten. Wenn jemand über ChatGPT erfährt, dass Sie offen haben, und dann vor verschlossener Tür steht, ist das schlimmer als gar kein Eintrag. Denken Sie an Feiertage und Urlaub.
Die richtige Kategorie. Sie als das beschreiben, was Sie wirklich sind. Lieber konkret "Fußpflege" als vage "Gesundheit und Schönheit". Maschinen ordnen Sie über die Kategorie ein.
Wann Sie sich das sparen können
Damit wir fair bleiben: Es gibt Betriebe, für die das wenig Sinn ergibt. Wenn Sie rein über Empfehlungen und Stammkunden laufen, voll ausgelastet sind und gar keine neuen Kunden wollen, dann brauchen Sie das nicht. Und wenn Sie kein einziges Mal Lust haben, sich mit so etwas zu beschäftigen, dann ist es auch in Ordnung, das liegen zu lassen. Die Welt geht davon nicht unter.
Aber für die meisten kleinen Betriebe, die gefunden werden wollen und neue Kunden gut gebrauchen können, ist das eine der unauffälligsten und günstigsten Maßnahmen, die es gerade gibt.
Der ehrliche Abschluss
Bing Places ist keine Revolution. Es ist ein solides, kleines Stück Hausaufgabe, das gerade deshalb interessant ist, weil fast keiner es macht. Sie investieren einmal zwanzig Minuten und sind in einem Kanal sichtbar, der die KI-Suche füttert und der gerade wächst.
Wenn Sie sich grundsätzlich fragen, was die neue KI-Suche für kleine Betriebe wirklich bedeutet, habe ich das hier ausführlicher aufgeschrieben: Ihre Kunden fragen jetzt ChatGPT statt Google.
Wenn Sie ohnehin gerade über Ihren ganzen Online-Auftritt nachdenken und nicht sicher sind, wo Sie anfangen sollen, schreiben Sie mir kurz. Manchmal sind es genau solche kleinen Hebel, mit denen man am besten startet.