Reicht nicht mein Instagram statt einer Website? Die ehrliche Antwort
Die kurze Antwort: Instagram ist ein guter Kanal, aber nicht Ihr Zuhause
Ich höre den Satz oft. "Adrian, mein Laden läuft doch über Instagram. Wozu brauche ich noch eine Website?" Und ich verstehe das. Wenn Sie jede Woche Storys posten, Ihre Kunden Ihnen dort schreiben und die Termine trotzdem voll sind, dann funktioniert etwas. Da will ich Ihnen nichts ausreden.
Aber ich will Ihnen zeigen, was Sie nicht sehen, solange es gut läuft. Denn Instagram und Facebook sind kein Grundstück, das Ihnen gehört. Es ist gemietetes Land. Sie bauen Ihr Schaufenster auf einem Boden, dessen Regeln jemand anderes macht. Und der kann die Regeln jederzeit ändern.
Das ist keine Panikmache. Das ist einfach der Unterschied zwischen etwas mieten und etwas besitzen. Lassen Sie uns beide Seiten in Ruhe anschauen.
Was Instagram wirklich gut kann
Fangen wir fair an. Social Media hat echte Stärken, und die will ich nicht kleinreden.
Sie sind nahbar. Menschen sehen Ihr Gesicht, Ihre Arbeit, den Alltag im Studio oder in der Werkstatt. Das schafft Vertrauen, bevor jemand überhaupt anruft. Ein gutes Vorher-Nachher-Foto sagt mehr als drei Absätze Text.
Sie sind schnell. Neuer Termin frei geworden? Eine Story, fertig. Kein Anmelden im Verwaltungsbereich, kein Nachdenken.
Und für den Anfang ist es günstig und niedrigschwellig. Viele kleine Betriebe kommen mit Laufkundschaft, Stammkunden und Mundpropaganda eine ganze Weile gut damit klar. Wenn das bei Ihnen so ist: schön. Ehrlich.
Ich sage nicht, dass Sie Instagram bleiben lassen sollen. Ich sage nur, dass es nicht das Fundament sein sollte.
Warum das Profil Ihnen nicht gehört
Hier kommt der Teil, den kaum jemand mitdenkt, solange alles läuft.
Ihr Instagram-Profil gehört nicht Ihnen. Es gehört der Plattform. Sie dürfen es nutzen, solange Sie sich an die Regeln halten, und die Plattform entscheidet, was diese Regeln sind. Ein Account kann gesperrt werden, manchmal aus Versehen, weil ein Algorithmus etwas falsch einordnet. Beiträge können verschwinden. Und wenn Sie sich einmal aus Ihrem eigenen Konto ausgesperrt haben, wissen Sie, wie schwer es ist, da wieder reinzukommen. Es gibt keinen Schalter und keinen freundlichen Menschen am Telefon.
Kommt so etwas jeden Tag vor? Nein. Aber wenn es Sie trifft, ist Ihr ganzes Schaufenster von heute auf morgen weg. Alle Fotos, alle Kontakte, alle Nachrichten. Das ist der Unterschied zu einer eigenen Website: Die läuft auf Ihrer eigenen Adresse, mit Ihren eigenen Zugängen. Wenn Ihnen jemand sagt, das sei egal, lesen Sie besser nochmal nach, wem Ihre Website eigentlich gehören sollte.
Die Reichweite bestimmen Sie nicht
Noch etwas, das viele überrascht: Nur weil jemand Ihnen folgt, sieht er Ihre Beiträge nicht.
Die Plattform entscheidet, wem sie was zeigt. Von Ihren Followern erreicht ein einzelner Beitrag oft nur einen Bruchteil. Wollen Sie mehr, sollen Sie zahlen. Das ist das Geschäftsmodell, und es ist völlig legitim. Aber es heißt: Sie mieten sogar den Zugang zu Ihren eigenen Kunden.
Auf Ihrer Website ist das anders. Wer Ihre Adresse eintippt, landet bei Ihnen. Ohne Zwischenhändler, ohne Algorithmus, der dazwischenfunkt.
Wen Sie über Social Media gar nicht erreichen
Das wird gern vergessen. Ein Teil Ihrer möglichen Kunden ist auf Instagram schlicht nicht unterwegs.
Ältere Menschen zum Beispiel. Oder Leute, die Social Media bewusst meiden. Wenn diese Person Ihre Praxis oder Ihre Werkstatt sucht, tippt sie nicht "Instagram" ein. Sie fragt Google. Oder inzwischen auch ChatGPT: "Kosmetikstudio in der Nähe" oder "gute Werkstatt in Neukölln".
Und jetzt kommt der Punkt: Ein Instagram-Feed taucht bei so einer Suche kaum auf. Suchmaschinen und KI-Antworten ziehen ihre Informationen aus Websites, aus Ihrem Google-Eintrag, aus Verzeichnissen. Ein geschlossener Feed voller Bilder gibt ihnen wenig, mit dem sie arbeiten können. Wer Sie über die Suche finden will, findet oft einfach nichts. Wie sich das mit der neuen KI-Suche verändert, habe ich hier ausführlicher erklärt.
Sie schließen also einen ganzen Teil der Menschen aus, die Sie gern gefunden hätten. Ohne es zu merken, weil die ja nie anrufen.
Die Website ist das Zuhause, Social Media sind die Satelliten
So denke ich darüber, und so erkläre ich es am Tresen: Ihre Website ist das Haus. Es steht auf Ihrem Grundstück. Da sind Ihre Öffnungszeiten, Ihre Leistungen, Ihre Kontaktmöglichkeit, Ihre Adresse. Immer erreichbar, auch wenn eine Plattform mal stundenlang nicht funktioniert.
Instagram, Facebook und Co. sind die Satelliten, die um dieses Haus kreisen. Sie machen sichtbar, sie machen nahbar, sie holen Leute ab. Und dann führen sie diese Leute nach Hause, zu Ihrer eigenen Seite. Kein Kanal ersetzt den anderen. Sie arbeiten zusammen.
Der Fehler ist nicht, Instagram zu nutzen. Der Fehler ist, kein Haus zu haben und dauerhaft im Mietzimmer zu wohnen.
Der Punkt, den fast alle vergessen: das Impressum
Kurz und wichtig, weil es hier oft schiefgeht: Die Impressumspflicht gilt auch für Ihren geschäftlichen Instagram- oder Facebook-Account. Sobald Sie dort gewerblich auftreten, brauchen Sie ein vollständiges, erreichbares Impressum. Ein Link im Profil zu einer Impressumsseite reicht in der Regel.
Und jetzt raten Sie mal, wo diese Impressumsseite am einfachsten liegt: auf Ihrer eigenen Website. Auch deshalb ist die Seite kein Luxus, sondern in vielen Fällen ohnehin nötig, sobald Sie geschäftlich posten.
Wann ein reines Social-Profil für den Anfang wirklich reicht
Jetzt der ehrliche Gegenpart, sonst wäre es ja auch nur Verkaufe.
Wenn Sie gerade erst starten, wenig Budget haben und einfach mal sehen wollen, ob Ihr Angebot ankommt, dann ist ein sauber gepflegtes Instagram-Profil plus ein vollständiger Google-Eintrag ein völlig vernünftiger Anfang. Damit sind Sie sichtbar, findbar und nahbar, ohne einen Euro für eine Website auszugeben.
Nur würde ich Ihnen raten: Sichern Sie sich früh Ihre Wunsch-Domain, also Ihre Internetadresse. Die kostet im Jahr wenig und ist irgendwann vielleicht vergeben. Und behandeln Sie das reine Social-Profil als Zwischenlösung, nicht als Endzustand. In dem Moment, in dem Ihr Betrieb läuft und Sie auf ihn angewiesen sind, sollten Sie das Fundament unter sich haben.
Zum Schluss
Instagram ist ein guter Kanal. Er macht Sie sichtbar, er zeigt Ihr Gesicht, und für manche Betriebe trägt er eine Weile. Aber es bleibt gemietetes Land, mit fremden Regeln, gedrosselter Reichweite und einem Teil Ihrer Kunden, den Sie dort nie erreichen.
Die eigene Website ist das Stück Boden, das Ihnen gehört. Von dem aus alles andere Sinn ergibt.
Wenn Sie unsicher sind, wie das bei Ihrem Betrieb aussehen könnte, machen wir bei Luminary Performance vorher eine echte Vorschau Ihrer möglichen Seite, damit Sie erst sehen und dann entscheiden. Ganz ohne Druck. Melden Sie sich einfach, wenn Sie darüber sprechen möchten.